Bei diesem Thema gehen die Meinungen sicherlich weit weit weit auseinander.

Was kann ich in der 22 SSW noch alles Unternehmen und was sollte ich ab sofort lieber meiden? Ich habe mir über das Thema nichts im Internet durchgelesen, sondern habe meine Grenzen für mich selbst festgelegt. Die ein oder andere Grenze zu spät. Für mich selbstverständlich ist es auf Alkohol und Achterbahnfahrten sowie zu anstrengenden Sport wie z.B. Zumba zu verzichten. Ich habe vor der Schwangerschaft ein Jahr lang regelmäßig Zumba gemacht, habe in den ersten Wochen der SS aber schnell meine Grenzen kennengelernt. Ansonsten habe ich eh keine Extremsportarten gemacht. Aktuell gehe ich gerne länger spazieren und fahre Rad. Jetzt im Sommer werden wir auch wieder öfter schwimmen gehen.

Wie sieht es mit Partys aus? Hier bin ich an meine Grenzen gestoßen. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich. Ich würde nicht sagen ich vergesse, dass ich Schwanger bin, allerdings schone ich mich bislang nicht wirklich. Das wird sich ab jetzt ändern! Ich war immer der Ansicht „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ Ich muss mich nicht schonen, ich könnte alles wie zuvor auch tun und ausschließlich den Alkohol weglassen. Ganz so ist es aber doch nicht. Schwanger sein bedeutet, dass der Körper durchgehend eine Mehrbelastung zu tragen hat. Ich musste es erst selber spüren, selber merken, dass ich einen Gang zurückfahren muss.

Meine letzten Wochen:

– 40 Stunden die Woche unter Hochdruck arbeiten
– Haushaltsführung
– Den Garten aufbereiten. > Renovierung der Terrasse
– Den Geburtstag einer Freundin feiern
– Die Hochzeit von Freunden!
– Grillen mit Freunden

Jedes Wochenende ausgebucht.

Arbeit. Ich werde mich in Zukunft etwas mehr zurücknehmen. Mehr abgeben. Mein Ersatz hat ihren Arbeitsvertrag nun endlich unterschrieben. Sie beginnt am 01.07. Ich verspreche mir davon eine gute Entlastung. An der Stundenanzahl kann ich nichts ändern, aber wenn ich nicht mehr den ganzen Tag unter Druck und Stress stehe wäre das schon Gold wert!

Haushaltsführung. Tja auch hier kann ich nicht viel ändern wenn ich nicht in einem Saustall leben möchte. Wenn ich meine Wochenend-Aktivitäten etwas einschränken kann sollte ich hierfür etwas mehr Zeit haben. Im Moment gerate ich jedes Mal wenn wir Besuch bekommen in Stress. Ich versuche noch „schnell nebenbei“ die ganze Wohnung auf Vordermann zu bekommen. Bäder putzen, Küche putzen, Staubwischen und Staubsaugen. Verteilt auf eine Woche kein Problem, alles an einem Tag sehr wohl ein Problem. Nach 2 Stunden Hausarbeit meldet sich mein Rücken!

Garten. Er ist nicht groß, und dennoch gibt es reichlich zu tun. Unkraut jäten, Blumen kaufen und einpflanzen, Blumen versorgen, die Terrasse und die Möbel putzen. Alex ist mir Gott sei Dank eine große Hilfe. Allerdings ist mein Qualitätsanspruch sehr hoch, genau wie mein Drang alles immer gleich zu machen. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und nichts tun und dabei Alex bei der Gartenarbeit zusehen. Ich muss Helfen! Ich muss alles kontrollieren mit Adlersaugen. Das habe ich von meiner Mama. Bei ihr sah der Garten immer perfekt aus. Das will ich auch. Ich kann mich nur wohlfühlen, wenn um mich herum alles nach besten Wissen und Gewissen erledigt ist.

Von dem Gedanken der „Perfektion“ sollte ich mich langsam mal verabschieden! Wenn das Kind erst einmal da ist werde ich auch nicht die Zeit haben stundenlang Unkraut zu jäten.

Unsere Terrasse ist genauso alt wie unser Haus. 22 Jahre. Das merkt man leider. Als die lange kalte Phase Ende Mai endlich ihr Ende hatte und wir wieder öfter im Garten waren, war ich mit der Terrasse sehr unzufrieden. Überall Unkraut, zwischen jeder einzelnen Fuge. Die Platten sind schief, teilweise gebrochen. Unsere Hausverwaltung interessiert das leider nicht. Zupfe ich das ganze Unkraut raus, dauert es keine Woche und es ist wieder da. Eine neue Terrasse ist zu teuer. Eine Lösung musste her. Im Baumarkt wurden wir schnell fündig. Ich rechnete nicht damit wie anstrengend und belastend diese Lösung noch werden sollte. Wir kauften eine Gasflasche mit einem Unkrautbrenner, 25 Kilo Mörtel, einen großen Besen und eine Unkrautstahlbürste. Zuerst brannten wir das gesamte Unkraut ab > Dauer ca. 1,5 Stunden. Dann kam eine richtig anstrengende Arbeit. Die Fugen mit der Bürste freikratzen. > Dauer ca. 3 Stunden. An dieser Stelle hatte ich bereits unendliche Kreuzschmerzen, dachte mir aber der Rest ginge schneller. Falsch gedacht. Den Mörtel in die Fugen kehren so heißt es auf der Verpackung, leider ist das dann alles andere als ordentlich. Ich drückte den Mörtel per Hand in jede einzelne Fuge. Stundenlang. > Höllische Kreuzschmerzen > der restliche Tag. Am nächsten Tag ging es also weiter. Wir mussten neuen Mörtel nachkaufen. Insgesamt 50 Kilo. Ich muss lernen Dinge abzugeben. Ich hätte meinen Bruder oder Alex Bruder oder beide anrufen sollen, damit sie Alex bei der Arbeit helfen. Warum kann ich das nicht? Ich habe immer das Gefühl es ist nur ordentlich wenn ich es selber mache….wieder ist mir die „Perfektion“ im Weg.

Feiern und Partys. Ich möchte mein soziales Leben nicht einschränken, muss aber mehr auf die Bedürfnisse meines Babys achten. Meine Freundin Kristina hat bereits vor einem Jahr standesamtlich geheiratet und plante seitdem ihre kirchliche Hochzeit. Es war wirklich eine Traumhochzeit. Aber auch ein straffes Programm mit Baby on Board. 10 Uhr Weißwurstfrühstück, Einzug des wunderschönen, perfekten Brautpaares in Begleitung einer Blaskapelle. 12:00 Abfahrt Richtung Kirche. Hier gab es eine kleine Wartezeit, die Zeremonie war erst um 13 Uhr und wir waren 45 Minuten zu früh dort. Bei 35° in der Sonne. 14 Uhr zurück in den Festsaal, Sektempfang, Geschenkübergabe. 15 Uhr, Die Band fing an zu spielen. GEIL, geile Band. Aber sau laut. Der Bass dröhnte. Hier merkte ich die erste Grenze. Bzw. mein Baby zeigte sie mir. Er war wach, und trat, mehrfach, durchgehend. Es war ihm zu laut. Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich meine ich weiß, er hört uns seit SSW 16. Aber ich habe nicht daran gedacht dass er sich mal gestört fühlen könnte. Ich dachte mir er würde sich schon bald wieder beruhigen. Falsch gedacht. Als nächsten Programmpunkt gab es die Hochzeitstorte und anschließend wurde traditionell die Braut entführt. Wieder ein Lokationswechsel. In einen Holzanbau neben dem Hauptgebäude wurde die Braut gefunden. Leider hatte es dort drinnen gefühlte 40° und die Band fing unwahrscheinlich laut an zu spielen, alle klatschten, tobten, tanzten auf den Bänken. Die Stimmung war grenzenlos und der Alkohol floss. Wirklich eine sehr gelungene Hochzeit. Nur nicht für eine schwangere Frau. Der dröhnende Bass, die Lautstärke und die Hitze machten es für mich zu einem Problem. Das Baby war durchgehend wach. Hier wusste ich, ich kann es nicht länger ignorieren und setze mich kurzzeitig draußen auf der Terrasse auf einen Stuhl. Immer noch sehr laut und heiß, aber wesentlich besser. Wie gerne hätte ich richtig mitgefeiert, wäre auch auf den Bänken gehüpft….Aber so war es besser. Der Tag sollte noch lange lange weiter gehen. Es gab ein leckeres Abendessen, die Braut und der Bräutigam tanzten den Eröffnungstanz und danach waren die 110 Partygäste nicht mehr zu stoppen. Alex und ich beschlossen um 22 Uhr nach Hause zu fahren. Es war einfach zu laut und das Baby den kompletten Tag wach. Es sollte 20 Stunden am Tag schlafen, hier kam es auf keine 8.

Trotzdem muss ich sagen die Hochzeit wird in Erinnerung bleiben. Für „Nicht Schwangere“ wirkliche eine Traumhochzeit und wahre Perfektion bis ins kleinste Detail.

Das Resümee lautet: ich muss meine Perfektion abstellen, Arbeiten an Kollegen, Freunde, Familie und Alex abgeben, und früher auf meinen Körper hören! Ich darf durchaus auf Feiern gehen, muss aber auf die Umgebung und den Geräuschpegel achten. Solange es nicht viiiiiel zu laut ist, stellt es kein Problem dar. Des Weiteren gönne ich mir ab sofort mehr Pausen. Füße hochlegen ist erlaubt. Ich muss nicht überall dabei sein!

 

Liebe Grüße, Jasmin