Eine Geburt, viele Möglichkeiten: Die Hausgeburt ist eine davon. Alles Wichtige zu dieser Entbindungsform erfährst Du hier von Frau Dr. Eva Englberger, Autorin beim Fachverlang Gesundheit und Medizin.

Hausgeburt: Trautes Heim, Glück allein

Eine Geburt fern vom anonymen, trostlosen Krankenbett – stattdessen eine vertraute Umgebung: Wer sich für eine Hausgeburt entscheidet, tut dies häufig ganz bewusst. Das Baby in den eigenen vier Wänden zu bekommen, und das oftmals im Beisein der Familie, ist für viele Frauen eine wunderbare Vorstellung. Doch nicht überall stößt die Geburtsform auf Gegenliebe. Was spricht für und gegen eine Hausgeburt? Und was muss bei einer solchen beachtet werden?

Hausgeburt: Was bedeutet das?

Was eine Hausgeburt ist, ist schnell erklärt: Das Baby kommt außerklinisch, also im privaten Umfeld, zu Welt. Während noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hausgeburten selbstverständlich waren, nahmen seit den 1970er Jahren die klinischen Geburten immer mehr zu. So sind es in Deutschland heute nur noch ein bis zwei Prozent aller Frauen, die ihr Kind in privater Umgebung gebären.

Begleitet wird eine Hausgeburt in der Regel von einer Hebamme. In ihrem Ermessen liegt es übrigens auch, ob die Voraussetzungen für eine Hausgeburt gegeben sind – sie trägt die volle Verantwortung für den Befund. Ein Ausschlusskriterium wäre beispielsweise, wenn das Kind in Querlage liegt oder schwangerschaftsbedingte Erkrankungen wie eine Gestose vorliegen.

Eine Hausgeburt dürfte zwar ebenso von Hausärzten und Gynäkologen betreut werden, sie müssten aber zusätzlich eine Hebamme hinzuziehen. Sowohl die Kosten für die Hebamme als auch die des Arztes werden von den Krankenhäusern übernommen.

Was spricht für und gegen eine Hausgeburt?

Schwangere entscheiden sich in der Regel ganz bewusst für die Geburtsform – es gibt viele Befürworter, die eine Hausgeburt als positiv bewerten. So sind Frauen in gewohnter Umgebung meist entspannter. Werdende Mütter schätzen zudem die persönliche Betreuung und ruhigere Umgebung. Für andere ist es wiederum wichtig, dass neben dem Partner noch andere Personen an der Geburt teilhaben.

Aber eigentlich spielt der Grund für die Hausgeburt keine große Rolle, denn Du darfst Dich frei entscheiden, an welchem Ort und in welcher Position Du Dein Kind gebärst.

Aber Ausnahmen bestimmen nun einmal die Regel. Es gibt durchaus Schwangerschaftsverläufe, die gegen eine Hausgeburt sprechen: Beispielsweise, wenn es während der Schwangerschaft zu Komplikationen kommt oder eine Risikoschwangerschaft vorliegt.

Weitere bedenkliche Aspekte sind zum Beispiel:

  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Bluthochdruck
  • HIV-Infektion
  • Beckenendlage

In diesen Fällen ist von einer Hausgeburt abzuraten.

So mancher Mediziner sieht die Geburtsform kritisch. Denn es sei möglich, dass während der Hausgeburt ein Notfall auftritt, weshalb diese abgebrochen und im Krankenhaus fortgeführt werden muss. Kostbare Minuten würden dann verstreichen. Einige Mediziner raten daher zur Geburt in einer Klinik, um das Risiko für Mutter und Kind so gering wie möglich zu halten.

Solltest Du Dich für eine Hausgeburt entscheiden, ist es ratsam, sich trotzdem im nächstgelegen Krankenhaus anzumelden – damit in Notfällen oder bei Komplikationen schnell gehandelt werden kann.

Eine Hausgeburt sollte gut vorbereitet sein

Ist Dein Entschluss zu einer Hausgeburt erst einmal gefasst, solltest Du sie gut vorbereiten. Das umfasst nicht nur das Auffinden einer erfahrenen Hebamme, sondern auch das Vorbereiten des Ortes selbst. So sollte das Bett oder die Matratze von mindestens drei Seiten für die Hebamme zugänglich sein. Wasserdichtes Material zum Abdecken der Matratze sowie waschbare Tücher solltest Du ebenfalls vorab besorgen. Außerdem ist es gut, wenn ein kleiner Tisch bereitsteht, auf dem die Hebamme ihre Utensilien ablegen kann. Eine helle Lampe in der Nähe, Essen sowie Getränke für Dich und natürlich ein warmer Platz für Dein Baby dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst – ob Hausgeburt oder Klinik –, ist ein Geburtshaus ein schöner Kompromiss. Dabei handelt es sich um eine außerklinische Einrichtung, die ausschließlich unter der Leitung von Hebammen steht. Schwangere und Paare werden hier umfassend beraten und auch persönlich begleitet – von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zur ersten Zeit mit dem Baby.

Ein Beitrag von Frau Dr. Eva Englberger