Der stolze große Bruder


Oliver ist ein fantastischer großer Bruder. Es scheint beinahe der „Job“ zu sein, auf den er immer gewartet hat. 🙂

Während der Schwangerschaft versuchten wir ihn bereits etwas auf die Ankunft unseres neuen Familienmitgliedes vorzubereiten. Wir streichelten immer wieder meinen wachsenden Bauch und sagten ihm, es sei ein Baby darin. Als Oliver 13 Monate alt war, nannte er jeden dicken Bauch „Baby“. Auch sein eigener Bauch wurde immer wieder gestreichelt und Baby genannt. Da hat er wohl was falsch verstanden. 🙂 Doch bereits kurze Zeit nach diesem Missverständnis zeigte er auf echte Babys und Kleinkinder und betitelte diese als Babys. Auch in Büchern und Zeitschriften wurde das Baby immer gleich erkannt.
Irgendwann kam die Zeit, in der ich starke Schmerzen und vorzeitige Wehen hatte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich ihn nicht mehr heben kann, mich nicht richtig bücken kann und Schmerzen habe. Aus meinem „Bauch Baby“ wurde dann der „Aua Bauch“. Übrigens war jede schwangere Frau ab diesem Zeitpunkt ein „Aua Bauch“. Soweit so gut, wir hatten den Eindruck, er versteht, dass hier was im Busch ist. Wir erzählten ihm viele Geschichten über Geschwister. Hauptsächlich über ein kleines Schwesterchen. Nachdem wir ihm den Namen verrieten, antwortete er auf die Frage wie seine Schwester heißt auch immer konsequent mit „Liiiinaaa!!!“ Zuckersüß!!!

Es war uns auch ein großes Anliegen, ihm irgendwie nahe zu bringen, dass ich bald im Krankenhaus sein werde und Baby Lina bei uns einziehen wird. Da Oliver sehr gerne und geduldig Bücher ansieht, suchte ich nach einem für uns geeigneten Exemplar. Wichtig war mir, dass das Baby im Buch keine Flasche bekommt, sondern aus der Brust der Mutter trinkt. Nach längerem suchen fand ich eines, welches ich wirklich empfehlen kann.
Wir sind jetzt vier

Dieses Buch sahen wir uns die letzten Wochen vor der Geburt täglich mit ihm an.
Oliver hat es sichtlich gefallen.

Dann war es soweit! Der Ablauf war ziemlich wie in unserem Buch. Mama und Papa fahren ins Krankenhaus, weil das Baby nicht mehr länger im Bauch sein will und die Oma kommt zum aufpassen.
Ich hatte das Gefühl, Oliver verstand mit seinen 18 Monaten, was nun passiert.
An diesem Tag machte Oliver allerdings keinen Mittagsschlaf, es war ihm nicht ganz geheuer. (Dazu muss man wissen, er machte noch nie KEINEN Mittagsschlaf).
Am Nachmittag kam meine Mama mit Oliver zu uns ins Krankenhaus. Wie selbstverständlich lief er zum Babybett und nannte das Baby Liiinaa und zeigte mit dem Finger auf sie! Wirklich beeindruckend, dieses kleine Männchen!
Oliver brachte mir eine kleine Blume mit und ich wollte mit ihm kuscheln. Mein Krankenhausbett war ihm jedoch nicht ganz geheuer und er wollte nicht zu mir. Das versetzte mir einen derartigen Stich ins Herz, dass meine Tränen kullerten. Vermutlich lag das auch an meinem Hormonhaushalt…
Trotzdem behalte ich die erste Begegnung in positiver Erinnerung.
Nach zwei Nächten im Krankenhaus durfte ich nach Hause. Dieser Tag verlief sehr harmonisch. Oliver war sehr daran interessiert, Lina zu küssen und versuchte auch immer wieder, ihr sein geliebtes „Eiei“ Mulltuch zu geben. Ein echtes Freundschaftsgeschenk. Wir erklärten ihm, dass Lina leider noch nicht greifen kann. Das vergisst er allerdings bis heute immer wieder und versucht ihr alles mögliche in die Hand zu geben. 🙂

Mein Mann hatte die ersten drei Wochen nach Linas Geburt Urlaub und verbrachte viel Zeit mit Oliver alleine draußen. Sie spielten viel Ball, waren auf allen Spielplätzen in der Umgebung und Oliver kam voll auf seine Kosten.
Zu dieser Zeit war kein Raum für Gefühle wie Eifersucht. Dazu gab es auch keinen Grund, denn auch ich versuchte Zeit mit ihm alleine zu verbringen und wir bauten zahlreiche Duplo Türme. 🙂 Unsere Besucher waren fast alle so lieb und brachten nicht nur Lina ein kleines Geschenk zur Geburt, sondern hatten meist auch eine Kleinigkeit für Oliver im Gepäck. Das führte soweit, dass Oliver sich schon freute, wenn es nur an der Haustür klingelte. Könnte ja Besuch mit Geschenken sein^^.

Ich hatte großen Respekt vor meinen ersten Tagen alleine mit den Kindern. Nachdem wir es aber schafften einen Rhythmus zu Leben, bei welchen beide Kinder zur gleichen Zeit Mittags schlafen, fiel mir ein Stein vom Herz. Oliver schläft aktuell ca. von 12 – 14 Uhr, Lina ca. von 12 – 16 Uhr. Die zwei Stunden, die sie länger schläft als Olli, gehen voll auf sein Konto. Ich versuche mich intensiv mit ihm zu beschäftigen. Bei schlechtem Wetter bauen wir viele Türme, lesen Bücher, kuscheln intensiv und manchmal backen wir auch einen Kuchen zusammen. 🙂 Bei schönem Wetter lade ich die schlafende Lina in den Kinderwagen (Weiterschlafen funktioniert nur in Bauchlage) und wir gehen zum Spielplatz. Hier treffen wir meist noch Freunde von uns. Während die kleine schläft, mache ich dort alles gemeinsam mit Oliver. Wenn Lina dann aufwacht, spielt Oliver alleine mit seinen Freunden im Sandkasten und die anderen Muttis schauen auf ihn, während ich stille. Ich bin sehr dankbar für unser wundervolles Umfeld!

An manchen Tagen war Oliver sehr anhänglich. Er wollte anfangs immer wenn ich stillte auf meinen Schoß. Ich würde dieses Verhalten nun aber nicht unbedingt als Eifersucht betiteln. Er behandelte mich und seine Schwester zu jeder Zeit sehr liebevoll und wollte manchmal einfach mitkuscheln. Ich erklärte ihm immer wieder, dass das nicht funktioniert während Lina trinkt und wir im Anschluss kuscheln werden. Ich hatte immer ein paar Bücher neben mir liegen und wir schauten sie während des Stillens durch. Er zeigt auf sämtliche Dinge im Buch und ich redete mir den Mund fusslig. Nach einer Woche hörte dieses Verhalten auf und er spielt nun alleine, während Lina trinkt. Er hat verstanden, dass ich in dieser Zeit keine Hand für ihn frei habe.

Oliver ist bislang Linas größter Fan. Wenn Lina schläft, rennt er immer zu ihr und will sie wecken: „LIIIIINAAAA“. Da muss ich als Mami sehr schnell sein, denn auch Lina ist auf Ollis Geräusche sensibilisiert.
Alles was Lina macht, wird von ihm kommentiert:
Lina haia (Lina schläft)
Lina haia Bett (Lina schläft im Bett)
Lina haia Buggy (Lina schläft im Kinderwagen)
Lina haia Mama (Lina schläft im Tragetuch)
Lina weint (selbsterklärend 😉 )
Lina wach (Lina hat die Augen auf)
Liebend gerne zeigt er auf Dinge an Lina und erklärt mir was das ist. (Mund, „Nane“ (Nase), Auge, Haare, Arm, Bauch, Ohr, Barfuß (Er hat ihr die Socken ausgezogen).
Wenn Lina niest, sage ich Gesundheit und Oliver wiederholt das: „Gunhei Lina“ Wenn ich niese, sagt niemand was. 🙂
Wenn Alex und Olli ohne uns das Haus verlassen sagt Oliver immer „ByeBye Lina“, ich werde dabei nicht explizit verabschiedet. 🙂 Ein einfaches „ByeBye“ und einen zugeworfenen Kussmund bekomme ich aber noch. 😉

Das Leben als kleine Schwester ist nicht immer ganz ungefährlich. Als Mami muss ich meine zwei Mäuse mit Adleraugen beobachten.
Zum Beispiel hatte Oliver bereits versucht, Lina ein Stück von seinem Brot in den Mund zu stecken. HUI, das ist gefährlich!
Letzte Woche sagte ich Oliver, Lina möchte trinken und während ich mein Oberteil zurechtrückte, holte Oliver sein Glas Wasser und führte dieses an ihren Mund. Hätte ich auch nur eine Sekunde später reagiert, hätte mein Linchen eine Dusche bekommen. 🙂
Olli ist ein sehr verschmuster kleiner Mann und weil er unsere Lina sehr lieb hat, will er sie immer knuddeln und ich muss sie ihm täglich einmal in den Arm legen. Dabei strahlt sein Gesicht und auch mein Mami Herz platzt vor Stolz. Aber auch das birgt Gefahren. Er versuchte bereits mehrfach, die Kleine alleine zu heben. Gott sei Dank war ich immer daneben und konnte dies verhindern.
Für Außenstehende mag das alles sehr süß und lustig klingen, für mich bedeutet es aber NIEMALS alleine aufs Klo zu gehen. 🙂

Lina ist nun bereits zwei Monate bei uns und ich bin sehr positiv überrascht, wie gut es mit den Kindern läuft. Oliver war bislang zu jeder Zeit ein sehr liebevoller großer Bruder. Sein Verhalten und seine Liebe zu seiner Schwester machen mich zu einer sehr stolzen und glücklichen Mama.

Eigentlich wollte ich nun noch EIN Bild von den beiden einfügen. Nachdem ich etwa 500 Bilder von meinen Kindern zusammen besitze, ist das leichter gesagt als getan. 😉 Daher gibt es jetzt eine Collage von meinen Mäusen. 🙂

 

Liebe Grüße, Jasmin

1 Kommentar

  1. Es ist so schön zu lesen, dass er sie so gut annimmt. War hier auch so. etzt, wo der Kleine mehr und mehr einen eigenen Willen entwickelt, ist es manchmal nicht so einfach mit den beiden, weil sie immer alles gleichzeitig wollen. Aber es ist toll zu sehen,w ie vernarrt sie ineinander sind und der Kleine versucht immer alles genau wie der Große zu machen ^^

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