Der lang ersehnte „große Ultraschall“. Hierbei werden alle inneren Organe genauer betrachtet und die Ärztin sieht, ob alles richtig angelegt ist. Weil unsere Ärztin dafür nicht die optimalen Geräte hat, teilt sich dieser Termin bei uns in zwei Sitzungen. Erst einmal der normale Ultraschall bei meiner Standard Ärztin und zwei Wochen später ein Ultraschall in einer Klinik, die darauf spezialisiert ist.

Weil Alex leider beruflich in Hamburg ist, habe ich diesen Termin alleine wahrgenommen. Wie immer sehr nervös. Ich hoffte einfach, dass alles in Ordnung ist und es unserem Baby gut geht.

Ich kann täglich Babys Bewegungen spüren und habe im Moment kaum Dehnungsschmerzen. Was wahrscheinlich auch zum Teil an meinem Magnesium liegt das ich täglich einnehme. Es lockert die Muskulatur. Somit war nach außen hin schon einmal alles in bester Ordnung.

Als erstes musste ich wie immer ins Labor zum Blutdruck messen. Blutabnahme gehört ebenfalls zu diesem Untersuchungspaket. Die Ärztin tastete vorsichtig die Gebärmutter ab, ca. 1cm unter dem Bauchnabel. Dann nahm sie noch einen Abstrich, das passiert eigentlich bei jedem Besuch.

Dann Endlich, der Ultraschall. Ich machte meinen Bauch frei, legte mich mit einem leicht mulmigen Gefühl hin und versuchte mir selbst gut zuzureden. Ich wünschte Alex wäre jetzt hier dachte ich mehrfach. Kaum sah ich das Baby auf dem Bildschirm war ich hochkonzentriert. Ich starrte förmlich auf den Bildschirm, wollte so schnell wie möglich jedes Körperteil erkennen und suchte Orientierung. Zugleich wartete ich darauf, dass die Ärztin irgendetwas Positives sagte. Mir ist aufgefallen, dass das Baby in der gleichen Lage wie beim letzten Ultraschall liegt! Sehr verkrümmt mit dem Gesicht nach unten. Arme und Beine angewinkelt. Ein beunruhigendes Bild. Die Lage und Position des Babys empfand ich bereits beim letzten Besuch als merkwürdig. Die Ärztin sagte auf meine Verunsicherung es sei alles in Ordnung, aber der Termin bei der Feindiagnostik wäre wichtig für uns. ???. Direkt wurde mir schlecht! Ich meine richtig schlecht. Ich bekam, obwohl ich flach auf dem Rücken lag, Probleme mit meinem Kreislauf. Mir wurde immer wieder leicht schwarz vor den Augen und ich musste mich stark konzentrieren der Ärztin zu folgen. Ich fragte immer wieder nach ob das wirklich normal sei und was wir zu befürchten hätten. Ihre Antwort war wieder die gleiche, es sei alles in Ordnung und das Kind würde die Lage noch verändern. Naja….der letzte Termin ist 3 Wochen her und es lag genauso wie jetzt! Sie sagte zur Feindiagnostik müssen wir weil die dort bessere Geräte haben und es sei eine ärztliche Absicherung. Ich muss ihr das glauben, denke allerdings wir müssen zur Feindiagnostik weil ihr die Lage ebenfalls bereits beim letzten Termin negativ aufgefallen ist. Sie muss für die Krankenkasse sogar einen Grund angeben warum sie uns überweist.

Sie schaute sich den Kopf, die Brust und den Oberschenkel an, und maß jeweils den Umfang. Hier scheint alles Zeitgemäß entwickelt zu sein. Wir sind sogar eine Woche voraus.

Das Gesicht meines Babys habe ich noch nie gesehen! Auch das Geschlecht lässt sich in dieser Kindslage nicht zu 100% sagen. Sie sagte sie vermutet einen Jungen, sie hätte kurz etwas sehen können.

Mit einem unglaublichen Angstgefühl habe ich die Klinik verlassen. Im Auto übermannten mich die Gefühle dann und ich fing an zu weinen. Zuhause versuchte ich mich selbst zu beruhigen.

Ich fing an in Google nach ähnlichen Ultraschallbildern zu suchen, konnte aber nichts vergleichbares finden. Überall liegen die Kinder in einer gestreckten Haltung, meist mit dem Gesicht nach oben….

Dann fand ich einen Erfahrungsbericht einer Frau deren Ärztin zu ihr sagte ihr Kind läge in einer Beugehaltung und das sei zu diesem Zeitpunkt nicht zeitgemäß. Das ausbreiten ist insofern wichtig, als dass sich die Lunge gut ausbilden kann. Man muss sich das so vorstellen: Wenn man den ganzen Tag über in dieser Beugehaltung sitzt – Kopf vorne, Arme und Beine aneinander gezogen – dann bekommt man davon zum einen natürlich mächtige Rückenprobleme, zum anderen auch das typische Lungenstechen, welches durch die Verklebung von Lungenbläschen hervorgerufen wird. Außerdem könnten (!) Fehlstellungen des Brustkorbes, der Schulterblätter, der Hüfte und der Wirbelsäule entstehen. Und natürlich werden auch alle anderen inneren Organe gedrückt und an ihren Funktionen behindert.

Ok, jetzt bin ich richtig verängstigt!!!

Am 02.06 ist der Termin bei der Feindiagnostik. Bis dahin heißt es hoffen und beten.

Ich werde jetzt gleich Alex vom Flughafen abholen, ich weiß gar nicht was ich ihm sagen soll? Vielleicht interpretiere ich wirklich zu viel rein. Sie sagte ja schließlich es sei alles in Ordnung. Vielleicht wollte sie aber einfach verhindern, dass ich mich so fühle wie ich mich jetzt fühle. Beschissen.

Habe ich erwähnt, dass ich heute kein Bild erhalten habe?

Alle Freunde und die Familie die von meinem heutigen Termin wissen, schreiben mir ob alles in Ordnung ist, was es wird und ob sie das Foto haben könnten. Ich kann nicht antworten. Ich weiß gerade nichts. Schreibe ich Ihnen von meinen Ängsten oder behalte ich sie für mich? Ich denke es ist das Beste, erstmal nicht alle verrückt zu machen. Es reicht wenn ich meinen Mann gleich noch verrückt mache.

Ich schreibe den Leuten, es wird wahrscheinlich ein Junge, es ist alles ok und fertig.

So lange wollte ich das Geschlecht wissen, jetzt wo ich es weiß ist es mir völlig egal.

Ich will nur noch ein gesundes Baby haben!!!

Morgen fahren wir in den Urlaub….am liebsten würde ich absagen. Es ist ein Geschenk von meiner Mutter zu unserer Hochzeit. Vielleicht aber auch ganz gut um den Kopf frei zu bekommen. Es ist sicherlich nicht ratsam für mich, mit einem solchen Gefühl belastet zu sein.

Aus Sicht des Papas:

Ja – sie hat mich verrückt gemacht. 😉

Heute wurde ich von Jasmin vom Flughafen abgeholt. Ich war beruflich von Montag bis Mittwoch geschäftlich unterwegs. Deshalb konnte ich beim „großen Ultraschall – Teil 1“ leider nicht dabei sein. Bereits beim Kunden sagte ich zu einem Kollegen: „Wahrscheinlich erfährt meine Frau gerade jetzt das Geschlecht unsres Kindes“. An eine schlechte Nachricht, jeglicher Art, dachte ich zu keiner Sekunde. Ich war nur noch drauf fixiert, schnell zum Flughafen zu kommen und schnell meine Frau zu sehen. Wir hatten vereinbart dass sie mir das Geschlecht nicht per Handy schreibt sondern erst persönlich mitteilt. Endlich gelandet gehe ich nach draußen um das Auto mit meiner Frau zu suchen. Das hatte mich schon etwas verwundert. Normalerweise werde ich immer nach dem Zoll direkt abgeholt, diesmal aber blieb Jasmin im Auto sitzen. Rückenschmerzen, dachte ich. Als ich dann das Auto fand, kam eine traurig dreinblickende Jasmin auf mich zu, mit geschwollenen Augen. Ich wusste sofort: sie hat stundenlang geweint, es muss etwas Schreckliches passiert sein. Beim Gang zum Kassenautomat überlegte ich was es sein kann. Wurde eine Behinderung festgestellt? Ist es sogar noch schlimmer? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Doch dann dachte ich mir: „Ich kenne meine Frau, manchmal ist sie sehr übervorsichtig und interpretiert manchmal Dinge etwas falsch oder legt sie dramatischer aus als es tatsächlich ist. Dann, endlich im Auto, erzählte sie mir die Geschichte. Das Baby hat sich seit dem letzten Ultraschall nicht gedreht. Damit konnte ich als Laie nichts anfangen. Ist das normal? Ist das schlimm? Keine Ahnung. Ich konnte den Vorfall also erstmal nicht weiter einordnen und fragte nach Details. Die Ärztin sagte es sei alles OK. Dadurch beruhigte ich mich etwas. Dennoch bin auch ich, seitdem ich weiß dass ich Vater werde, deutlich vorsichtiger geworden. Schließlich beschlossen wir, ins Krankenhaus zu fahren, um dort eine zweite Meinung einholen zu lassen. Leider wurden wir dort aus der Notaufnahme wieder weg geschickt, wir wären kein Notfall und nur eine Pränatal Klinik könnte hier näheres sagen. „Eine Frechheit“ dachte ich mir im ersten Moment und Jasmin erging es ähnlich. Wir beschlossen, zu einer weiteren Klinik zu fahren. Im Auto redete ich Jasmin gut zu und umso öfter ich drüber nachdachte, umso mehr wurde mir bewusst, dass vielleicht auch ich gerade deutlich zu vorsichtig bin. Ich meine, ich habe ja auch keine Erfahrung, wir beide machen das Ganze ja zum ersten Mal durch. Wir beschlossen dann während der Fahrt, nun doch nach Hause zu fahren und morgen Früh in der Pränatal Klinik anzurufen. Dort versuche ich, den geplanten Termin nach vorne zu legen oder zumindest kurz mit einem Arzt zu sprechen. Fünf Minuten reichen völlig aus, denke ich. Wir wollen ja nur ein „Ja, kann vorkommen, nicht weiter schlimm…“ hören. Einfach eine zweite Meinung von einem anderen Arzt. Zumal ich bei der Ärztin eben nicht dabei war und das Gespräch eben nur aus Erzählungen kenne. Anschließend habe auch ich nach verschiedenen Stichworten gegoogelt und eigentlich gar nichts dazu im Internet gefunden. Beim Telefonat zwischen Jasmin und ihrer Mutter habe ich mitbekommen, dass auch sie bereits im Internet gesucht hatte und ebenfalls nichts fand. Letztendlich fand ich die Seite, die Jasmin zuvor gesehen hatte: Ein Internetforum, der Eintrag war schon recht alt und der Thread endete auch damit, dass sich die Betroffene nicht mehr zurückgemeldet hat. Vermutlich hat sich auch dort das Baby gedreht und der Thread gerat in Vergessenheit. Wie so häufig im Internet. Vermutlich war auch diese betroffene einfach etwas sehr vorsichtig. Wenn das wirklich häufiger vorkommen würde oder ein Grund zur Sorge wäre, würde man auch deutlich mehr darüber finden. Es gibt tausende Vorsorgeuntersuchungen zu X Dingen und Wahrscheinlichkeiten von eins zu 1000 gelten als „schlimm“. Und das Einzige, was wir dazu finden, ist ein uralter Foren-Beitrag? Das kann nichts tragisches sein. Seitdem ich das gelesen habe, bin ich wieder deutlich beruhigter und bin mir eigentlich sehr sicher, dass alles in bester Ordnung ist. Das Baby ist vermutlich einfach nur „faul“ oder lag einfach zufällig wieder gleich wie beim letzten Mal. Es wird alles in Ordnung sein!

Nachtrag, 25.05.15

Wir konnten leider keinen früheren Termin bekommen, da die Praxis Urlaub macht und daher geschlossen ist. Ich kann das Baby spüren, täglich. Ich bete zu Gott, dass alles mit unserem Baby in Ordnung ist.

Jetzt heißt es entspannt bleiben und warten bis zum 02.06.

Zwischenzeitlich waren wir auch ein paar Tage im Urlaub am Gardasee, die Ablenkung tat uns beiden gut.

 

Liebe Grüße, Jasmin