Das erste Mal Verantwortung abgeben


Mein kleiner Mini Mann und ich waren lange Zeit unzertrennlich. Ich bin die Person, zu welcher er kommt und „NamNam“ sagt, wenn er Hunger hat. Ich bin diejenige, die ihn tröstet, wenn er stürzt, die Stunden mit ihm kuschelt, wenn er sich an mich schmiegt und ich bin diejenige, die jeden Augenblick mit ihm genießen möchte! Ich wollte nichts, aber auch wirklich nichts verpassen. Jedes Lachen will ich hören, jede neue Entdeckung, die er macht, will ich ihm erklären.
Er und ich, wir sind ein starkes Team.
Es ist genauso wie ich es mir in meinen Träumen immer vorgestellt habe. Mein Kind, mein bester Freund.

Trotz alledem bin ich nicht nur Mama, sondern auch Ehefrau, Tochter, Schwester und Freundin. Von Anfang an haben wir versucht, alles in Einklang zu bringen. So wie vor Olivers Geburt gedacht, haben wir es aber nicht geschafft. Meine Prioritäten waren sofort andere.
Denn das Kind abzugeben, um einmal ausgibig feiern zu gehen, oder ein uneingeschränktes Ohr für eine Freundin zu haben, bedeutet auch kurzzeitig meine Verantwortung abzugeben und das Risiko einzugehen einen wichtigen Moment zu verpassen, oder gar vermisst zu werden.
Also kam der Mini Mann überall mit hin! Oliver begleitete mich wie mein Schatten von Termin zu Termin, zu Freunden und auf Feste. Ich habe das immer sehr genossen und all unsere Freunde und Bekannten lieben den kleinen ebenfalls und freuten sich, wenn wir kamen. Es gab nur einen kleinen Nachgeschmack. Wir sind die letzten, die kamen, verspäteten uns häufig, waren die ersten, die heimfuhren und die Gesprächsthemen drehten sich fast ausschließlich um Oliver. „Oliver kann jetzt ….“
Wo war die Ehefrau, Tochter, Schwester und Freundin mit dem offenem Ohr? WEG
Ich will mir nichts vormachen, ich war NUR noch MAMA.
Im kompletten ersten Lebenjahr waren Alex und ich lediglich zweimal gemeinsam von unserem Sohn getrennt.

Jetzt jedoch bin ich aufgrund meiner Situation plötzlich auf Hilfe angewiesen. Ich bin aktuell in der 33ten Schwangerschaftswoche, leide unter vorzeitigen Wehen und muss sehr viel liegen. Jeder Tag ist wichtig für unsere ungeborene Tochter. Sie profitiert täglich, wenn ich mich schone.
In meinem letzten Beitrag hatte ich berichtet, wie wir eine Lösung gefunden haben, mit der wir alle die kommenden Wochen meistern wollen. Das war nicht einfach. Eine fremde Haushaltshilfe kam für mich nicht in Frage. Selbst die Hilfe von Freunden und der eigenen Familie bereitete mir Sorgen! Unglaublich, ich stellte erst jetzt fest, was für eine Glucke ich doch geworden war!

Nachdem mir nichts anderes übrig blieb, fing ich an um Hilfe zu bitten und alle an unserem Leben teilhaben zu lassen.
Meine Mama, mein Mann und eine liebe Freundin haben Oliver die letzten Wochen abwechselnd in seine Spielgruppe begleitet. Meine Schwägerin machte die letzten Wochen immer wieder lange Spaziergänge mit ihm. Freunde gingen mit ihm auf den Spielplatz und selbst unsere Brüder erwiesen sich als ausgezeichnete Babysitter und nahmen ihn mit ins Schwimmbad.

Die ersten Male alleine daheim ohne meinen kleinen Schatten waren sehr schwer für mich. Doch wenn er strahlend wieder zur Tür reinkam, Mama rief und ich hörte wie gut es ihm ging und wie viel Spaß er hatte, wurde es einfacher.
Ich lernte, dass auch andere Personen sich um mein Kind kümmern können. Ich merkte zugleich, wie mir eine riesige Last von den Schultern fiel.
Oliver kann all seine Unternehmungen machen, obwohl ich hochschwanger und stark eingeschränkt bin. Er hat keinerlei Nachteile mehr. Ganz im Gegenteil. Ich merke wie er die Zeit der zahlreichen Unternehmungen genießt. Denn mal ehrlich, als Mama muss man ja auch einige andere Dinge wie den Haushalt meistern und das Kind hat nicht immer 100% der Aufmerksamkeit. Bei meiner Familie und meinen Freunden ist das anders. Hier steht er im Mittelpunkt. Er genießt es sichtlich!
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber selbst ich lernte die Zeit ohne ihn zu genießen und zu entpannen. Umso schöner ist es, wenn er sich danach wieder an mich kuschelt und mir am liebsten von seinem Tag erzählen würde.

Tatsächlich merke ich auch, wie die Ruhe und die Entspannung einen positiven Einfluss auf meine vorzeitigen Wehen hat. Ich kann wieder längere Spaziergänge machen, fühle mich besser und habe weniger Schmerzen. Dadurch kann ich auch wieder an mehr Dingen teilhaben. Wenn auch als stiller Zuschauer.
Hätte ich doch nur von Anfang an dieser Schwangerschaft Hilfe zugelassen….
Aber besser spät als nie!

Spielplatz Spaß mit Freunden.

Fasching.

Straßenfasching.

Mit der Oma in der Spielgruppe.

Mit Papa, Onkel Manu und Onkel Michi im Schwimmbad.

Spielen, spielen, spielen. 🙂

Ich bin so dankbar für all die lieben Menschen, die wir in unserem Leben haben.

Für die Zukunft nehme ich mir vor, auch als zweifache Mama, bewusst Stunden ohne die Kinder zu verbringen. Denn es ist möglich, wenn ich über meinen Schatten springe und es zulasse.

Sind unter meinen Lesern noch mehr Mamis, die ihre kleinen Schatten am liebsten immer dabei haben? Wie geht ihr damit um?

 

Liebe Grüße, Jasmin

2 Kommentare

  1. Ich hätte genau wie du nicht gedacht, dass sich die Prioritäten so verschieben, dass ich gerne auf Freizeit mit Freunden, Party etc. verzichte, nur damit der Zwerg glücklich ist. Mittlerweile schaffe ich es immer besser, den kleinen Mann tagsüber abzugeben. Er lässt es auch zu. Was noch gar nicht klappt, dass ich und mein Mann zusammen abends weg gehen können. Er lässt keinen anderen im oder am Bett zu. Erst war mir das egal, doch mittlerweile würde ich schon gerne mal wieder abends „ein Date“ außerhalb des Hauses und nach 20 Uhr mit meinem Mann haben, oder gemeinsam zu einer Feier oder auf ein Konzert. Ich bin gespannt, wann das klappt. Liebe Grüße und alles Gute für deine Schwangerschaft

  2. Hallo,

    Mir geht es da ganz ähnlich. Meine Kleine ist ein Monat jünger als Oliver. Zeit für mich habe ich mal beim Friseur, wenn ich putze und die Kleine bei Oma oder Papa ist und seit Oktober wenn ich halbtags wieder arbeite.
    Ich bin dann immer im Zwiespalt- ich genieße es auf der einen Seite, auf der anderen Seite vermisse ich sie sofort.
    Ich wünsche Dir alles Gute für die restliche Schwangerschaft und das deine kleine Maus noch bis zum Schluss durchhält.

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