39 Wochen Lina Marie und ich bin nicht bereit!


Ich habe Angst vor der Geburt, Angst, dass mein Körper diese Herausforderung nicht stemmen kann. Das wird mir erst die letzten Tage immer mehr bewusst. Vergangenen Samstag dachten wir, dass es nun soweit sein könnte. Ich hatte schmerzhafte Wehen im Abstand von etwa 2-3 Minuten. Ich legte mich auf die Couch und versuchte die Wehen zu veratmen, was mir allerdings nicht sonderlich gut gelang. Ich merkte, wie eine Angst in mir mich beinahe behinderte.
Nach ein paar Stunden wurden die Kontraktionen weniger und hörten schließlich wieder auf.

Sonntag Abend war es wieder da, das Gefühl, es könnte losgehen. Ein unangenehmes Stechen am Muttermund hielt mich die halbe Nacht wach. Ich verspürte einen starken Druck und war mir nicht sicher, ob dieser durch die Kindsbewegungen ausgelöst wurde oder durch meine in diesem Fall allerdings eher leichten Wehen. Statt ins Krankenhaus zu fahren, versuchte ich den Schmerz zu ignorieren und nochmal zu schlafen! Wieder war sie da, diese Angst!

Auf der einen Seite kann ich die Geburt meiner Tochter kaum noch erwarten. Auf der anderen Seite habe ich Angst vor dem Ungewissen. Wie wird es wohl werden? Bin ich überhaupt stark genug?  Ist mein Körper nach dreimonatigen Wehen noch stabil genug? Ich habe ständig das Gefühl zu reißen! Leider bestätigen die Ultraschallbilder dies nun auch immer mehr und mehr. Meine Symphyse ist gelockert und meine Kaiserschnittnarbe wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Ich bin eben bereits zehn Monate nach der Geburt meines Sohnes, welcher per Kaiserschnitt zur Welt kam, wieder schwanger geworden. Das alleine hätte der Körper wahrscheinlich gut weggesteckt. Durch die dauernde Verhärtung des Bauches allerdings sieht es leider ein wenig anders aus. Ich wurde nun bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass es während der Geburt zu einem sogenannten Symphysenriss kommen kann, welcher mich nach der Geburt mehrere Monate an mein Bett fesseln könnte. Auch das Risiko einer Narbenruptur bestünde. Aber hey, welche Geburt ist ohne Risiken?
All diese Worte machen mir Angst. Manchmal wäre es doch schön, in einer Zeit zu Leben, wo diese Untersuchungen nicht gemacht werden konnten. Zumindest sind die Frauen mit weniger Ängsten in die Geburt gegangen und ich denke um eine positive Geburt zu erfahren, muss man vor allem selbstbestimmt und entspannt mit dem eigenen Körper arbeiten. Sich selbst vertrauen.

Es ist eine innerliche Zerrissenheit. Nach einer guten Nacht, in mehr und weniger schmerzfreien Momenten fühle ich mich bereit. Nach einer schlechten Nacht mit vielen Kontraktionen, Hüftschmerzen, Symphysenschmerzen, wenn ich kaum noch aus dem Bett komme, fühle ich mich überhaupt nicht mehr bereit. Ich fühle mich schwach und habe das Gefühl, egal wie ich das Kind zur Welt bringe, es wird nicht meinen Vorstellungen entsprechen.

Der größte Fehler, den ich wohl machen konnte, war es, danach zu googlen! Wahre Horrorgeschichten habe ich gelesen und dabei gibt es doch auch viele Leute mit einer angenehmen Geburtserfahrung!? Nur über diese wird viel zu selten geschrieben! Schade. Denn aufbauende Worte täten so vielen Frauen wie mir jetzt unwahrscheinlich gut. Aus diesem Grund werde ich hier auf meinem Blog nur von meiner Geburt berichten, wenn diese eine positive Erfahrung war!
Selbstbestimmt, in Eigenregie und Angstfrei!

 

Liebe Grüße, Jasmin

6 Kommentare

  1. Google kann so ein Seegen, aber auch der totale Fluch sein. Wie oft habe ich mich dadurch verrückt gemacht, weil alles irgendwie immer im schlimmen endet, wenn man danach googelt. Eigentlich hat es bisher nie wirklich beruhigt.

    Inzwischen fiebere ich wirklich mit Dir und kann deine Zerrissenheit vollkommen verstehen. Ich drücke Dir die Daumen, dass es fähige Hände sind, die dich dann da durch lotsen werden und das Beste für Dich tun. Und am Ende weißt du ja auch, dass da viele Leute bei Dir sind, die dich zu jeder Zeit und zu jedem Zeitpunkt untertsützen werden. Und dann ist da natürlich Deine Tochter.

    Es nimmt die Ängste jetzt nicht, aber du sollst Dich doch auch freuen können auf das, was da kommt.

    Ich finde es so furchtbar, dass man sich nie einfach freuen kann. Dass es einem so schwer gemacht wird und in Deinem Fall besonders. Du hast es bis hierhin so wunderbar gemeistert. Den Rest schaffst du auch. Da glaube ich ganz fest daran!

    • Jasmin

      21. April 2017 at 14:28

      Hallo liebe Sari,

      vielen Dank für deinen Zuspruch und deine lieben, aufbauenden Worte! Ich freue mich, dass du regelmäßig hier vorbeischaust und mir Mut machst!

      Liebste Grüße,
      Jasmin

  2. Liebe Jasmin

    Deine Ängste kann ich gut verstehen und so wie du es beschreibst wäre es warscheinlich Samstag losgegangen, jedoch hast du quasi „nein“ gesagt und das hat es vermutlich gestoppt. Hast du mal Yoga oder Meditation ausprobiert um dich zu entspannen? Wende dies in den Momenten an, wenn du merkst „ich bekomm Angst“ vielleicht hilft dir das „Locker zu lassen“.
    Ich kann dir ja mal die Geburt meiner Tochter etwas schildern:
    Ich hatte eine unkomplizierte Schwangerschaft. Es gibt viele Frauen die nach 8-9 Monaten sagen „ich mag nicht mehr, ich will das das Kind rauskommt“ – hatte ich nicht bis zu letzt. Ich war sehr gern schwanger, klar die typischen Probleme (Socken, Schuhe und nachts auf die andere Seite drehen, aufs Klo rennen im gefühlten Stundentakt und nach 5metern schnaufen wie eine alte Dampflok ua ) hatte ich auch. Der ET wurde einmal um 3 Tage nach hinten korrigiert. Am Tag des ersterrechneten Termins bin ich morgens aufgestanden und meinte zu meinem Mann „so heut kann sie kommen, ich mag nicht mehr“. Mein Mann ging arbeiten, ich frühstückte und merkte das erste mal das was anders war, mein Bauch wurde immer wieder mal hart. Nahm ich erstmal so hin. Dann legte ich mich nochmal schlafen. Mittags waren leichte Schmerzen bei den Kontraktionen. Ich ass etwas, schaute die letzt Staffel einer Serie und merkte wie die Schmerzen laaaaangsam intensiver wurden. Um 15uhr waren diese noch gut auszuhaltenden schmerzen bei alle 10-15 min. Da es mein erstes Kind war, sagte ich meinem Mann vorsichtshalber Bescheid, nicht das ich ein seltsames Schmerzempfinden habe und unser Kind allein auf dem Bett gebäre. Mein Mann kam recht schnell und gelassen nach Hause, „stoppte“ die Zeit und um 18uhr waren wir bei 3-5 Minuten und ich musste veratmen. Trotzdem wollte ich lieber den wannentest machen. Bis ich in der Wanne kam waren es alle 2 min und in der Wanne dann 1min abstand bis zur nächsten wehe und wir führen dann in die Klinik. Dort angekommen stellten sie 1cm fest und überließen uns die Wahl zu bleiben oder nochmal wieder zu kommen. Ich entschied mich für letztes, da ich dachte das ich mich zu Hause besser entspanne. Wir standen auf dem Rückweg im Stau (niemand kann sich die leichte Panik meines Mannes vorstellen „du bekommst das aber jetzt nicht hier“). Der Stau hat alles ein wenig beschleunigt 😉 meine wehen waren so schmerzhaft das ich total verkrampft war. Der Stau löste sich nach 1 Stunde und wir fuhren gleich wieder in die Klinik. Dort bat ich um ein Schmerzmittel, denn mir war klar das ich zu verkrampft war so stand ich dem ganzen im Weg. Kaum bekam ich das Mittel, war ich echt wie bei einer Meditation einfach konzentriert. Ich dachte nur von wehe zu wehe, schlief wohl auch zwischendurch mal. Um 0uhr waren es 3cm und um 4uhr sagte ich meinen Mann er soll die Hebamme rufen, ich habe presswehen. (kleine Klinik 10zimmer – 1 Kreissaal – in der Nacht 4 Geburten – wir waren die dritten). Sie kam, Untersuchte kurz und meinte dann das sie grade den Kreissaal fertig macht und ich gleich rein kann. Glücklicherweise war dieser tatsächlich grade frei geworden. Keine 45min später war unsere Tochter da. Es waren höllische Schmerzen, und dennoch eine wunderbare Geburt. Ich hatte so viel Glück mit der Hebamme. Sie meinte später noch zu uns, das sie tief berührt war von unserem Vertrauen in uns, mich und sie und das sie selten dieses „sich fallen lassen“ erlebt.
    Für mich war dieses kleine Schmerzmittel die Rettung, so konnte ich entspannen.
    Führe dir immer vor Augen, du bist nicht allein, Ärzte sind da die eingreifen wenn es zu riskant wird, vertrau deinem Körper und deinem Gefühl. Wenn es an einer Stelle nicht mehr geht, es sich falsch anfühlt, Teil es dem Geburtsteam mit. Alles hat seinen Sinn, nichts passiert ohne Grund. Manchmal muss man den Weg nehmen wie er kommt und sich darauf einlassen.
    Ich denk an euch und drück die Daumen das die Geburt so wird wie du sie dir wünscht 🙂
    Liebe Grüße
    Kathy
    Achja die Gemüsepuffer sind echt lecker 🙂

    • Jasmin

      21. April 2017 at 14:24

      Hallo liebe Kathy,

      entschuldige meine viel zu späte Antwort auf deine lieben, ehrlichen Worte! Ich habe deinen Kommentar gerade noch rechtzeitig gelesen, nur zum Antworten kam ich nicht mehr. 😉
      Vielen Dank, dass du deine Geschichte hier geschrieben hast. Das gab mir Mut und vielleicht auch noch weiteren Lesern!

      Liebe Grüße,
      Jasmin

  3. Hier findest du ein paar positive Geburtsberichte:
    https://www.hebammenblog.de/category/geburtsberichte/

    Alles Gute!

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