28 Wochen / Schonen mit Kleinkind?


Vorzeitige Wehen, ein verkürzter Gebärmutterhals mit Trichterbildung und eine Mutter, die innerlich zerrissen ist.

Ich habe einen ganz wunderbaren kleinen Sohn. Nichts empfinde ich als schöner, als meinen Tag mit meinem kleinen Herzensmann zu verbringen. Der Gedanke, nun einige Wochen ins Krankenhaus zu müssen, versetzt mir derartigen Schmerz, dass ich in Tränen ausbreche.

Aber:

Ich habe auch ein ganz wunderbares kleines Mädchen in meinem Bauch. Mein Wunschkind. Meine kleine Maus, die von jeden einzelnen Tag, den sie in mir bleiben darf, stark profitiert.

Wie soll man das unter einen Hut bekommen und sich dabei nicht schuldig fühlen, einem Kind nicht gerecht zu werden?

Alex und ich setzten uns hin und überlegten lange, welche Möglichkeiten wir haben.

Von unserer Ärztin wurden wir darüber aufgeklärt, dass wir Anspruch auf eine Haushaltshilfe haben. Diese könnte sich um Oliver kümmern und gleichzeitig den Haushalt schmeißen. Im ersten Moment klang der Gedanke daran gar nicht so schlecht. Schnell kamen mir jedoch starke Zweifel. Eine fremde Person, die sich um mein Kind kümmert? Hat diese denn wenigstens eine Ausbildung in dem Bereich? Und was, wenn Oliver sie nicht akzeptieren würde etc. Ich konnte mich damit nicht anfreunden.
Es läuft aktuell einfach so einwandfrei mit dem kleinen, wir haben feste Strukturen und Abläufe. Oliver braucht diese und das kann NUR die MAMA!
Ich merkte, dass ich überhaupt nicht loslassen kann. Das war mir davor nie so bewusst, wie in diesem Moment.

Über einen Kommentar unter eines meiner Bilder auf Instagram erfuhr ich, dass auch ein Familienmitglied als Haushaltshilfe agieren kann.
Also gingen wir die Möglichkeiten durch. Unsere Eltern arbeiten alle noch Vollzeit. Würden Sie die Betreuung übernehmen und würde ich mit dieser Lösung zurecht kommen? Meine Mutter hilft uns seit der Diagnose schon sehr gut. Sie geht immer wieder früher aus dem Büro, um mit Oliver raus zu gehen, wenn ihm die Decke auf den Kopf fällt und mir die Kraft ausgeht. Sie geht für uns zum Einkaufen und ich bin sicher, ich könnte sie um alles bitten. Doch das will ich nicht. Es ist nicht meine Erziehung, wir ziehen nicht an einem Strang. Ein- zweimal, ja dreimal die Woche wäre sie uns eine Hilfe. Aber jeden Tag 8 Stunden lang?

Was ist mit meinem Mann? Kann er nicht die Haushaltshilfe sein? Ihn habe ich gerne 24 Stunden um mich. Er zieht mit mir in Sachen Erziehung an einem Strang, wir haben die exakt gleichen Ansichten. Er wäre die perfekte Haushaltshilfe.
Alex arbeitet als Teamleiter in einem IT- Unternehmen. Er führt aktuell 10 Mitarbeiter. Seine Firma hätte starke Schwierigkeiten, wenn er bis April ausfallen würde. Außerdem deckt die Krankenkasse nicht ansatzweise den Verdienstausfall, den wir dadurch hätten. Ich bin im zweiten Elternzeit-Jahr und habe somit überhaupt kein Einkommen.

Eine Kompromisslösung aus all unseren Ideen musste her.
Haushaltshilfe JA
Mehr Hilfe von Familienmitgliedern und Freunden JA
Mein Mann Zuhause JA

Das schöne an IT Unternehmen ist, mann kann Ortsunabhängig arbeiten. Alex sprach mit seinem Arbeitgeber und erklärte unsere Situation. Ihm wurde bis zur Geburt unserer Tochter Homeoffice genehmigt! Das hilft mir unglaublich! Denn somit kann er mir die vielen HEBE-Tätigkeiten ohne weiteres abnehmen. Oliver mittags ins Bett heben, in den Hochstuhl heben, auf den Wickeltisch legen. All das entlastet mich.
Aber es reicht nicht. Denn ich brauche vor allem am Nachmittag viel Bettruhe.
Mein Mann geht also in Teilzeit! Statt der gewöhnlichen 40 (oder 50) Stunden die Woche arbeitet er bis zur Geburt nur noch 30 Stunden die Woche.
08 – Uhr – 14 Uhr und das im Homeoffice.
Dazu muss man wissen, dass unser Sohn von 12 – 14 Uhr schläft. Immer! Ja tatsächlich….er ist der perfekte Schläfer.
Der Verdienstausfall wird zum Teil von der Krankenkasse übernommen. Denn Alex  ist nun eine Teilzeit Haushaltshilfe.
Muss Alex doch in wichtige Konferenzen oder am Nachmittag mal zu einem Kunden fahren, so erhalten wir Hilfe von unserer Familie und von Freunden.

Sie begleiten Oliver in seine Nachmittags Spielgruppe am Donnerstag, erledigen teilweise Einkäufe und gehen mit dem kleinen Mann auf den Spielplatz, wenn Alex es beruflich nicht einrichten kann.

Diese Lösung macht mich einfach nur glücklich! Ich bin kein Mensch, der gerne um Hilfe bittet und ich habe Schwierigkeiten damit, mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauche.
Jetzt, wo der Schritt und die ungewissen Tage vorbei sind, fühle ich mich gut.

Ich kann für meinen Sohn da sein. Meine Zeit mit ihm verbringen und gleichzeitig liege ich zumindest 60% des Tages brav im Bett oder auf der Couch und schone mich, ohne dabei etwas zu verpassen.

 

Liebe Grüße, Jasmin

1 Kommentar

  1. Ach wie schön,dass ihr eine Möglichkeit gefunden habt, mit der ihr euch wohlfühlt. Nun musst du aber tatsächlich auch brav liegen 😉

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